Resilienz aus Glauben

Predigt zu Römer 5,1-5
am Sonntag Reminiscere
in der Friedenskirche in Bonn Kessenich

"Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus…"
Was für ein frommer Wunsch, liebe Gemeinde, heute morgen: Gnade und Friede…mit Euch!

Paulus schreibt ihn gerne am Anfang seiner Briefe an die Gemeinden in Rom oder Korinth oder Galatien so zwischen 50 und 60 nach Christus, in Zeiten, in denen diese jungen Gemeinden sich in ersten Konflikten manchmal gnadenlos bekämpften und erste ernste Verfolgungen von Staat und Gesellschaft zu erleiden hatten.

Gnade sei mit Euch und Friede… auch Euch heute hier in der Friedenskirche, da unser innerkirchlicher Stress durch das Kleiner-Werden unserer Kirche sich lächerlich ausnimmt gegen die Not der Welt und die Kriege und das Leid der anderen.

Was für ein frommer Wunsch: Gnade und Friede mit Euch!

Unser Predigttext des Sonntages will aus diesem Wunsch für uns heute morgen, für Dich und mich und diese Welt, will er aus dem Wunsch eine Wirklichkeit werden lassen, die den Zugang zum Glauben öffnet, eine Wirklichkeit in der die Hoffnung strahlt und in der die Liebe ausgegossen ist in unsere Herzen.

Doch hört selbst: Römer 5,1-5:

Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben,
haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.

Durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird.

Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt,
Geduld aber Bewährung,
Bewährung aber Hoffnung,
Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden;
denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Gott, Schöpfer der Welt durch nur ein Wort:
Es werde! Und es wurde gut, sehr gut.
Dich bitten wir heute morgen:
Lege mir ein Wort auf die Zunge, das eine neue Welt erschafft.
Hilf beim Reden und beim Hören und in beidem, hilf beim Predigen.
Amen

Liebe Gemeinde,

auf die Worte kommt es an. Worte schaffen Welten!

Die Kraft unseres Glaubens erweist sich darin, dass wir nicht einfach nur nachsprechen, was der Ton der Welt angibt.

Die Kraft unseres Glaubens erweist sich darin, dass wir der Flut der gnadenlosen Sprache und aggressiven Worte, der verzagten Weltanalysen und der deprimierenden Nachrichten wohl unser Ohr leihen, aber nicht unsere Seele daran verlieren.

Die Kraft unseres Glaubens erweist sich darin, dass wir dieser Weltsprache begegnen mit einem Wiederwort, einem Widerwort gespeist aus Glaube, Hoffnung und Liebe.

Auf die Worte kommt es an! Worte schaffen Welten!

II.
Glaube und Friede, Gnade und Hoffnung, Herrlichkeit und Liebe… es sind die großen, es sind die schönen Worte, die Worte voller Zuspruch und Verheißung, die Paulus hineinspricht in eine Welt, die gewiss eine andere Sprache spricht:

Bedrängnis und Geduld, Bewährung und Schande, Tod und Sünde… das ist die Sprache der Welt und ist die Wirklichkeit der Erfahrung, die auch glaubende Menschen in ihr machen müssen.

Die auch wir machen müssen: in unserem je eigenen Leben, in unseren Familien, Gruppen, Kreisen und Gemeinden, in unserer Gesellschaft und in dieser tobenden und wütenden Welt.

In der ich mich manchmal so ohnmächtig und kraftlos resignierend und doch kämpfend und verlierend erlebe. Wie halte ich das aus?

Ich erzähle ihnen von dieser, meiner Befindlichkeit, weil es ja sein könnte, dass der ein oder die andere heute morgen hier in der Kirche sitzt oder jemanden kennt da draußen, dem oder der es so ähnlich geht.

Dieses Leiden an der Welt, dieses Gebeutelt-Sein von den Ereignissen, denen ich fassungslos aufgeliefert mich erlebe. Dieser Dauerstress all dessen, was mir mal als verlässlich und sicher galt.

Ein Mensch, der sich mit mir die Frage stellt: Wie halte ich das aus?

Ob die Worte des Paulus es vermögen, mir in dieser Welt eine neue Welt zu schaffen, eine, in der ich leben kann und will, in der ich hoffen kann und lieben?

III.
„Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott“ –

Liebe Gemeinde, noch nie hat mich dieser Vers, den ich schon so häufig gelesen habe – so tief berührt wie gerade jetzt, als ich ihn in Vorbereitung auf diesen Gottesdienst wieder einmal gelesen habe:

„Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott“

In dieser friedlosen Welt – ein Ort des Friedens.
In all meinem Aufgewühlt-Sein – ein Ort der Ruhe.
In allem verfluchten Mist der Tage - ein Ort des Segens, des Shaloms, des Friedens.

Friede mit Gott.

Es ist die wesentliche Botschaft des Paulus, dass wir um Jesus Christus willen versöhnt mit Gott leben können, im Frieden mit ihm, in seinem Shalom.

Egal, aus welcher Tradition und welchem Glauben wir herkommen, ob wir Mann oder Frau oder dazwischen sind, Jude oder Mensch der Völkerwelt sind, ob wir Sklave oder Freie sind. Wir sind versöhnt mit Gott.

Gott hat seinen Frieden mit uns geschlossen.

Wenn es einen Ort gibt, an dem ich nicht mehr kämpfen muss, nichts beweisen muss, mich nicht behaupten muss, dann hier – im Frieden Gottes.

Meiner Seele, liebe Gemeinde, hat dieses Wort zu hören, gut getan und Deiner Seele wünsche ich das auch: Friede mit Gott.

IV.
Das zu glauben, liebe Gemeinde, ist eine gute Basis, in dieser Welt zu bestehen – „in der Gnade stehen“, hat Luther übersetzt.

„Die Gnade Gottes „ist der Grund, auf dem wir stehen“ – übersetzt die Basis Bibel.

Was gibt unter unseren Füßen festen Grund? Was hält uns aufrecht? Was lässt uns standhalten?

Mir fällt keine bessere Antwort ein, als mich von Gott gehalten und getragen, gestützt und geborgen zu wissen.

Und darum rede ich heute morgen hier davon: Was gibt Dir Halt? Wie erträgst Du das, was uns die Welt vor die Füße wirft?

Friede mit Gott, in seiner Gnade leben, Resilienz aus Glauben, davon möchte ich gerne reden in diesen Tagen und dieser Welt.

Doch, ihr Lieben, doch, es gibt ihn noch, einen Ort des Friedens für unsere aufgeschreckten Seelen.

V.
Das macht mir Hoffnung. Hoffnung, dass das letzte Wort über diese Welt noch nicht gesprochen ist. Und dass es nicht denen gehört, die da poltern und toben, die schimpfen und drohen, die sich loben und andere beleidigen.

Das letzte Wort über diese Welt ist noch nicht gesprochen und es gehört dem, der mit einem Wort eine neue Welt erschaffen kann – und siehe, sie wird gut!

Das macht mir Hoffnung. Hoffnung, dass es in dieser Welt Menschen gibt, die daran glauben und davon reden und darin all dem schlimmen Weltgeschehen etwas entgegensetzen.

Die Wiederstand leisten, weil sie um etwas wissen, was größer ist als die Macht von Kapital und Waffen, weil sie sich gehalten wissen von einem, der sich gemein macht mit den Opfern, an der Seite der Leidenden leidet und der Verurteilten stirbt – und doch aufersteht und lebt.

Dass es Menschen gibt, deren Widerstandskraft sich speist aus den Bildern einer Welt, in der die Schafe bei den Böcken lagern und Kinder am Loch der Otter spielen und Löwen Stroh fressen anstatt Bomben zu werfen und Gerechtigkeit und Friede sich küssen und Arme nicht zum Feindbild der Gesellschaft stilisiert werden und von Norden und Süden und Osten und Westen die Menschen kommen werden und keine Grenzzäune sie aufhalten, und sie zusammensitzen werden am Tisch des Gottes, der seinen Frieden mit uns macht.

Ich für meinen Teil, liebe Gemeinde, will davon reden, dass die Welt nicht so sein muss, wie sie ist, und erst recht nicht so werden muss, wie wir fürchten, will unsere Zukunft mit Hoffnung verbinden.

VI.
Auf diese Hoffnung bin ich stolz. Das habe ich von Paulus gelernt: Dass wir um eine Hoffnung wissen, die nicht von dieser Welt ist, dessen dürfen wir uns rühmen.

Ihr Lieben, lasst uns doch bitte schön erhobenen Hauptes durch die Welt gehen. Nein, wir schämen uns des Evangeliums nicht!

Denn es ist eine Kraft Gottes, die wir einbringen in diese Welt.

Eine Kraft Gottes, die uns auch gegenüber den Widrigkeiten unseres Lebens stärkt und hält und ihnen am Ende Hoffnung schenkt:

„… wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt,
Geduld aber Bewährung,
Bewährung aber Hoffnung,
Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden“

„Die Not stärkt die Kraft zum Widerstand. Die Widerstandskraft stärkt die Erfahrung, dass wir standhalten können; die Erfahrung, standzuhalten stärkt die Hoffnung.“ Übersetzt die Bibel in gerechter Sprache.

Am Ende, liebe Gemeinde, ist die Hoffnung das Ende aller Bedrängnis.

Und die BasisBibel ergänzt: „Aber die Hoffnung macht uns nicht zum Gespött“.

VIII
Warum? Warum machen wir uns mit dieser Hoffnung nicht lächerlich?

Weil die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen ist durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Weil wir als Geliebte leben.
Und weil wir als von Gott geliebte Menschen Liebe leben, in einer Welt die droht, den Halt zu verlieren und die Hoffnung fahren zu lassen: lieben.

Diese Welt lieben, die Menschen lieben, mich selber lieben, weil ich geliebt bin. Das macht unsere Hoffnung glaubwürdig und überzeugend.

Das schafft eine neue Wirklichkeit in einer Welt aus Hass und Tod und Leid und…

Liebe ist die neue Wirklichkeit.

Hier auf dem Zufallskreisel
Von Himmeln beglückt
Und an Halmen der Erde sich haltend: Liebe leben.

Hier, zwischen Freude und Wehmut
und Gänsehaut, erregt und erglüht: Liebe leben.

Hier, zwischen Hunger und Durst
und Leiden, gekrümmt und gebläht: Liebe leben.

Hier zwischen Bomben und Tod
und Terror: Liebe leben.

Hier zwischen Mensch und Mensch und Mensch: Liebe leben.

Ihr Lieben, die Welt braucht uns!
Braucht uns vielleicht mehr denn je:

Als die, die nicht müde werden, davon zu reden, von dem Glaube der hält und uns festen Boden unter den Füßen gibt, von der Hoffnung, die uns stärkt aller Bedrängnis ein Ende setzt und von Liebe, die stärker ist als der Tod.

Braucht diese wunderbaren Worte, die mitten in dieser Welt eine neue Welt erschaffen, von der sich sagen lässt: Siehe, es ist gut!

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