Posts

"...da wird auch dein Herz sein" - Predigt zu Matthäus 6,19-21

„Da kriegst du doch die Motten“; „Dem wünsche ich die Motten in den Pelz.“, „Da kommen sie wie die Motten ans Licht“. Nein, liebe Gemeinde, sie gelten nicht gerade als Sympathieträger der Zoologie, die Kleinschmetterlinge mit den etwa 1 cm schmalen Flügeln, deren Raupen Wolle, Seide, Pelzwerk und Tapeten befallen, zu deren Synonymen, also anderen Ausdrücken, der „Nachtfalter“ gehört. Das immerhin lässt uns hier in Troisdorf aufhorchen, ist doch der „Nachtfalter" Namensgeber für die alternativen Gottesdienste hier in der Stadtkirche – heute Abend um 19 Uhr, „Nachtfaltergottesdienst“ sie sind herzlich eingeladen. Was tun die Viecher? Sie zerfressen Dir den Pelz, nagen wie der Rost am Geld, an dem bisschen, was du Dir angehäuft hast und fügen Dir Schaden zu am Eigentum. Und haben gerade darin therapeutischen Wert in unserer konsumorientierten Zeit und jeder Lebenshaltung, die Besitz und Güter in ihrem Wert für das Mensch-sein maßlos überschätzt. Jesus selber jedenfalls ...

Mir hei e kei angscht...

Predigt zu Mt 14,22-33 mit Texten von Kurt Marti Am 31. Januar 2011 feiert Kurt Marti seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Grund wurden Liturgie und Predigt mit Texten von Kurt Marti gestaltet. gnadenwirtschaft haben und teilen wenig haben austeilen weniger haben mehr austeilen in der wüste die lustige wirtschaft wo das wort zum wirte geworden bis alles verteilt und alle gehabt Die aber gegessen hatten, waren etwa fünftausend Mann, ohne Frauen und Kinder. Und danach? „…trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe. Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein. Und das Boot war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen. Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See. Und als ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein...

Über - Leben - Not - Wendigstes

Predigt zu Mt 4,4 und dem Objekt „Schlitten“ von Joseph Beuys anlässlich des 25. Todestages des Künstlers am 23. Januar 2011 I. Joseph Beuys - verstehen An Joseph Beuys scheiden sich die Geister. Für die einen: ein grenzenlos provokanter Spinner, der irgendeinen Alltagsmüll zu Kunst erklärte. Und für die anderen ein Schamane, ein Genie, der die Kunst revolutionierte und in neue Dimensionen führte. Ich persönlich bewege mich zwischen diesen Extremen, bin weder Feind noch Jünger, sondern lediglich ein Mensch mit zwei Augen im Kopf, ein wenig Lust am eigenen Denken, Neugierde und Offenheit… das reicht eigentlich schon zur Begegnung mit Beuys und anderen Künstlerinnen und Künstlern. Die Auseinandersetzung mit ihnen und natürlich auch mit Beuys gehört für mich zur Redlichkeit meines eigenen Urteils. Wenn ich mich nicht wenigstens redlich gemüht habe, einen Menschen zu verstehen, kann ich auch nicht redlich sagen, wie ich mich zu ihm, seinem Denken und Tun stelle. De...

"Siehe, es ist ein Raum bei mir"

Predigt zu 2. Mose 33,12-23 im Gottesdienst zur Einführung in den Kreissynodalvorstand des Evangelischen Kirchenkreises An Sieg und Rhein Damit wir, liebe Schwestern und Brüder, aus den Niederungen des Alltags, herkommend von der Synode die einen, aus dem politischen Tagesgeschäft die anderen, aus dem Stress von Beruf und Familie, aus dem Denken, Lenken und Leiten unseres Kirchenkreises, seiner Gemeinden, Dienststellen und des Diakonischen Werkes, damit wir aus all diesen Niederungen des Alltags heraufgeführt werden auf die Höhe in Raum und Zeit, predige ich den vorgeschlagenen Text für den 2. Sonntag nach Epiphanias. Denn hinauf, da geht es in der Epiphaniaszeit: Die Waisen kommen aus dem Morgenland, was im Griechischen das Anatolä, das Aufgehen ist: Es ist das Evangelium am 6. Januar, am Anfang der Epiphanias-Zeit. Und an ihrem Ende, am letzten Sonntag nach Epiphanias finden wir uns wieder auf dem Berg der Verklärung – in guter Gesellschaft mit den Leitfiguren des Glaubens: Mos...

Predigt zu Johannes 14,1

Es hat für mich Tradition, am Ende eines Jahres noch einmal auf die Jahreslosung zu schauen, die das Jahr hätte begleiten können – diesmal aus dem Johannesevangelium, der Anfang der Abschiedsrede Jesu: „Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich“. Euer Herz lasse sich nicht erschüttern, verwirren – könnte man auch übersetzen. Weil es uns zum Glauben helfen kann, liebe Gemeinde, lese ich uns den Kontext, und zwar so, wie der Rhetoriker Walter Jens ihn übersetzt hat: „Seid gelassen: Euer Herz bleibe ruhig- erschreckt nicht, sondern vertraut, heute und immer, auf Gott und auf mich! Im Hause meines Vaters ist eine Bleibe für alle. wer sie auch seien. Dort können sie wohnen. Stünde es anders: ich wäre ein Lügner. Doch ich weiß, was ich sage. Denn ich gehe hin, unter die Himmel, und sorge dafür, dass ihr eine Heimat habt, dort, ein Zuhause. Schon gehe ich fort, um euch eine Wohnstatt zu schaffen, doch ich komme zurück, dann seid ihr meine Gäste, und wo ic...

"Wie uns die Alten sungen..."

Themen - Predigt zu Lukas 1: Vorbemerkung: In unserer Gemeinde arbeitet seit einigen Wochen ein Projektchor: "Alte Stimmen - Singen ab siebzig." Der Komponist und Musikpädagoge Bernhard König und unsere Kantorin, Brigitte Rauscher, arbeiten experimentell mit den Stimmen alter Menschen, die sich darauf einlassen. Der WDR hat darüber berichtet: http://www.wdr3.de/tonart/details/artikel/wdr-3-tonart-8a9e22824a.html Im Gottesdienst wurde eine erste Kostprobe dieser Arbeit gegeben. Daraus ergab sich die Idee, die Predigt als Themapredigt zu gesalten. Zwei Geschichten, erzählt am Anfang des Lukasevangeliums: Die erste: Zu der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester von der Ordnung Abija, mit Namen Zacharias, und seine Frau war aus dem Geschlecht Aaron und hieß Elisabeth. Sie waren aber alle beide fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig. Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar und beide waren hochb...

Predigt zu Mt 24,1-14 - 2. Advent 2010

„Seht ihr nicht das alles? Wahrlich ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht zerbrochen werde…“ Liebe Gemeinde, in Zeiten, in denen es liebgewordenen Selbstverständlichkeiten unserer Kirche an den Kragen geht, weil uns Geld und Mitglieder schwinden, nicht gerade ein Hoffnungstext. „Es werden viele kommen unter meinem Namen…“ In Zeiten, in denen wir unser Legitimationsproblem als Kirche in der Gesellschaft nicht mehr durch den Verweis auf Christus allein – wie sonst aber sollte wir uns legitimieren – bewältigen können, weil dies für Gesellschaft zum einen nicht plausibel ist - "Brauchen wir den denn?" – zum anderen weil es viele gibt, die ihn oder die Wahrheit für sich beanspruchen, nicht gerade ein Mutmachtext. „Ihr werdet hören von Kriegen“ - wie in Afghanistan, „es werden Hungersnöte sein“ – wie im Niger und „Erdbeben“ – wie in Haiti und die Flut von Pakistan hätte er auch noch nennen können und den Vulkanausbruch des Berges mit d...