Predigt zu Römer 3,21-28
Kaum ein Text der Bibel ist so sehr prägend gewesen für die Geschichte der Theologie, wie der Römerbrief des Apostels Paulus. Alle großen Zäsuren der Theologie gründen in ihm. Es hätte ihrer nicht bedurft, wäre er eindeutig. Aber da sich die Bedeutung eines Textes mit der Anzahl seiner Leserinnen und Leser vervielfacht, ist auch kaum ein Text der Bibel so kontrovers verstanden, so viel erforscht worden mit so wenig Konsens, wie der Römerbrief. Und nun, liebe Gemeinde, soll ich heute Morgen predigen über einen zentralen Abschnitt aus diesem Brief, über Römer 3, 21-28. Und scheitere schon daran, mich festzulegen auf eine Übersetzung des Abschnitts, weil schon die Übersetzung Interpretation erfordert. Martin Luther wenigstens hat darüber Rechenschaft abgelegt in seinem „Sendbrief vom Dolmetschen“, wo er verriet, dass er das Wort „allein“ zum Glauben hinzugefügt hat, um in der Übersetzung zu verdeutlichen, was er meinte im Original gelesen zu haben: „So halten wir es nun, dass de...