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Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind

Predigt zur Entwidmung der Kapelle in Stromberg
am 13. Oktober 2019


Liebe Gemeinde,

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ – Dieses Wort Jesu soll unsere Gedanken leiten. Heute und in den Zeiten, die da kommen.

Schlesien, 1946. Dritter Juni: Der Schriftsteller Gerhart Hauptmann, vierundachztigjährig. Rückfall nach dreimaliger Lungenentzündung. Aus einem Dämmerzustand erwachend, letzte Worte: „Bin ich noch in meinem Hause?“

Ein Haus zu leben, ein Haus zu sterben, auf Erden ein Haus zu wohnen, das gehört offenbar zum Menschsein. Hauptmann liebte sein Haus, nannte es die „Schutzhülle meiner Seele“. Aber nun stirbt er, bedroht von Austreibung und Obdachlosigkeit und Heimatlosigkeit.[1]

Und Hundertausende Kurden verlassen gerade ihre Heimat und suchen Hilfe, Schutz und Obdach jenseits des Krieges. Und andere rudern übers Meer in die Fremde, um menschenwürdiges Leben zu finden und finden verachtenswerte Verachtung an Europas Grenzen, allzu oft gar d…

Barmherzigkeit braucht Begegnung

Predigt zu Matthäus 15, 21-28 am 13. Oktober 2019 im Dietrich-Bonhoeffer-Haus

Menschen unterwegs. Der eine kommt aus dem Süden und zieht in eine heidnische Stadt. Sie vielleicht aus dem Osten, trägt das Attribut „kanaanäisch“. Vielleicht eine Syrerin.

Sie sind sich zunächst fremd. Fremde sind sich oft nicht freundlich. Aber am Ende siegt die Barmherzigkeit.

Hören wir die Geschichte der beiden. Der Syrer Matthäus hat sie uns überliefert: Matthäus 15,21-28.
Und Jesus ging weg von dort und zog sich zurück in die Gegend von Tyrus und Sidon.
Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt.

Und er antwortete ihr kein Wort.

Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach.

Er antwortete aber und sprach:
Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, …

Schwestern und Brüder

Audio zur Predigt zu Markus 3,31-35 in der Kreuzkirche Bonn




Schwestern und Brüder

Predigt zu Markus 3,31-35 in der Kreuzkirche Bonn

Liebe Schwestern und Brüder,

eigentlich ist mit dieser, wohl nur in der evangelischen Kirche und ihren Synoden so gern benutzten Anrede schon alles gesagt: Liebe Schwestern und Brüder!

In ihr hören wir den ganzen Zuspruch Gottes: Weil Jesus Christus uns zu Schwestern und Brüdern macht, bist Du Gottes geliebtes Kind, über das er seinen Himmel auftut und spricht: „An Dir habe ich mein Wohlgefallen“ (Mt. 3,17).

Und zugleich liegt darin „Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben“ (Barmen II): Wandelt als Kinder des Lichts (Eph 5,8), denn diese ganze Schöpfung in ihrer Vergänglichkeit wartet doch nur auf die herrliche Freiheit der Kinder Gottes (Röm 8,21).

Damit wir darin gestärkt und ermutigt werden, wird uns heute die folgende Geschichte aus Markus 3 erzählt:

Es kamen Jesu Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen.
Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und d…

Vorbei! - Ein dummes Wort!

Predigt am Pfingstsonntag 2019 im Dietrich-Bonhoeffer-Haus zu Johannes 16,1-15
Pfingsten, liebe Gemeinde, sind wir gewohnt zu feiern als das „Geburtsfest der Kirche.“ Mal fröhlich und heiter, mal räsonierend über die Geistvergessenheit der Kirche, mal euphorisch redend von einer besseren Zukunft.
Ich habe für dieses Pfingstfest in der Vorbereitung einen Predigttext ausgewählt, der dazu nicht so ganz passen will. Denn er redet nicht überdie Kirche, sondern zurGemeinde.
Und spricht sie an in ihrer grundsätzlichen Krise, die sich nicht aus Mitgliederschwund und Finanzkraft-Verlust speist, sondern aus den leeren Händen, mit denen wir dastehen.
Nichts ist vorzuweisen, was greifbar wäre.
Der, um den sich alles dreht, ist vorbei, gestorben am Kreuz, „auferstanden“ behaupten wir, aber nicht da, kannst nicht drauf zeigen und ihn vorführen. Vorbei.
Der Predigttext geht zurück an den Anfang der Krise: Jesus auf dem Weg mit den Jüngern, spricht von seinem nahen Tod und was dann werden soll. Es hat Tr…

"...damit diese Welt leben kann"